Quelle

Bibliographische Daten

Loh, Kah Seng; Lim, Dorothy: European dominance and expansion in Southeast Asia in the late 19th century. All about history, Bd. 1. Singapur: Pearson Education Limited, 2013, 19–20.

"Wie haben Südostasiaten auf die europäische Kolonisierung reagiert"


[S. 19]

Südostasiatische Reaktionen

Im 19. Jahrhundert hatten asiatische Herrscher keinen Zugang zu Informationen über die internationalen Geschäfte der Europäer, da sie keine modernen Transportmittel hatten, wie Flugzeuge, oder Kommunikationsmittel, wie Telefone. Die meisten Herrscher verließen ihren Hof selten, um die Außenwelt zu besuchen; einige konnten nicht lesen und schreiben. Da die Herrscher keinen formellen Kontakt mit europäischen Regierungen hatten, konnten sie nicht verstehen, dass, anders als früher, die Europäer sich nicht mehr damit begnügten, nur ihre Möglichkeiten zum Handel zu genießen. Stattdessen wollten die Europäer politische Kontrolle über regionale Angelegenheiten ausüben. Die südostasiatischen Herrscher konnten das Potenzial und die Bedrohung, die die europäische Expansion mit sich brachten, nicht vollständig beurteilen.

Die Beschäftigung mit hiesigen Angelegenheiten

Viele südostasiatische Herrscher waren zu sehr mit ihren eigenen gewalttätigen und bitteren regionalen Rivalitäten beschäftigt, um die neuen Probleme zu verstehen, die die Europäer vortrugen. Lokale Konflikte verschafften den Europäern die Möglichkeit, Hilfe anzubieten, um die Situation zu stabilisieren. Die lokalen Herrscher akzeptierten dieses Angebot, um Oberhand über ihre Rivalen zu gewinnen. Im Gegenzug für die Hilfe der Europäer mussten die lokalen Herrscher einen Teil der politischen Macht aufgeben oder Zugeständnisse machen. Dies erlaubte es den Europäern, die politische Kontrolle in der Region zu gewinnen.

Beispiele dafür können in Malaya gesehen werden, wo die Herrscher, die untereinander um Macht und Kontrolle kämpften, oft die Briten um Hilfe ersuchten. In einem Beispiel bat ein malaiischer Herrscher, Raja Abdullah, der versuchte den Thron in Perak zu übernehmen, die Briten um Hilfe gegen seinen Rivalen und verstand die Implikationen, die sein Handeln beinhaltete, nicht vollständig. a

Auch in Sumatra in Indonesien wandte sich die herrschende Elite an die Holländer, um sie im Padri-Krieg um Unterstützung zu bitten und bot ihr im Gegenzug die Souveränität über die Minangkabau an. b In Vietnam schaffte es der Hof nicht zu verstehen, dass durch die Verfolgung der Katholiken den Franzosen eine Entschuldigung angeboten wurde, in hiesige Angelegenheiten einzugreifen. Du wirst in den folgenden Kapiteln mehr über diese Ereignisse lesen.

Widerstand

Einige Südostasiaten leisteten Widerstand gegen die europäische Expansion. Für sie war die Monarchie ein Symbol der traditionellen und religiösen Autorität. Sie sahen Kolonisierung nicht nur als einen Feldzug gegen die Monarchie an, sondern auch gegen die traditionelle Gesellschaft. Als ihre Herrscher entfernt wurden oder unter ausländische Kontrolle gelangten, kämpften sie dafür, die alte Ordnung wieder herzustellen. Ihr Widerstand war jedoch meistens erfolglos, da die Europäer überlegene Waffen hatten. Das führte gewöhnlich dazu, dass die Europäer Gebiete hinzugewannen.

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Beispiele für den Widerstand können in Perak gesehen werden, wo die lokalen Herrscher den ersten britischen Residenten ermordeten, was zum Perak Krieg (1875-1876) führte. Der Krieg von Aceh (1873-1904) ist ein anderes Beispiel dafür, wie die Indigenen gegen die holländischen Versuche, ihnen koloniale Herrschaft aufzuerlegen, Widerstand leisteten. Einige Vietnamesen sahen Franzosen als ‚Barbaren‘ an, die den Konfuzianismus zerstörten, und riefen verschiedenen nationalistische Widerstandsbewegungen ins Leben.

Zusammenarbeit

Einige Südostasiaten sahen die Anwesenheit der Europäer jedoch als eine Möglichkeit, ihre Position zu stärken und entschieden sich, mit ihnen zu arbeiten. In den meisten Teilen von Malaya, Vietnam und Indonesien behielten die Herrscher ihre zeremoniellen Positionen und akzeptierten die europäische Autorität. Indem sie sich der europäischen Herrschaft unterwarfen, bekamen diese Herrscher Schutz vor ihren Rivalen. Doch sie verloren auch bis zu unterschiedlichen Graden ihre Autorität.

Oft wurden die Beamten der Herrscher zu Angestellten der Kolonialregierung. Sie halfen die europäische Politik einzuführen und stärkten die europäische Kontrolle. Einige dieser Beamten glaubten, dass sie den Interessen der Menschen dienten und sahen sich selbst nicht als Betrüger an.

Beispiele für die Zusammenarbeit können in Malaya gesehen werden. Malaiische Sultane akzeptierten britische Berater und malaiische Eliten wurden im Staatsdienst aufgenommen, während chinesische Kaufleute auf die Briten bauten, um die Stabilität aufrecht zu erhalten. Es gab Widerstandsnester c in Malaya, aber gewöhnlich trafen die Briten unter der indigenen Bevölkerung auf Akzeptanz und Kooperation. Einige Vietnamesen kollaborierten auch mit den Franzosen, da sie die traditionelle Monarchie durch eine moderne Regierungsform ersetzen wollten.

Modernisierung

Eine andere Antwort der Südostasiaten war es, europäische Ideen der Regierungsführung und Entwicklung zu übernehmen und umzusetzen. Diese Antwort hatte zielte darauf ab, den Europäern zu zeigen, dass Südostasiaten zivilisiert, gebildet und effizient sein können.

Die Südostasiaten, die dieser Antwort gegenüber am offensten waren, waren gewöhnlich diejenigen, die eine westliche Bildung erhalten hatten und europäischen Ideen ausgesetzt waren. Raden Ajeng Kartini, die Tochter eines javanischen Beamten, der in der holländischen Kolonialregierung diente, war so eine Person. Sie versuchte, die Interessen, besonders die der Frauen in Indonesien, zu verbessern und sie gründete Schulen nach westlichem Vorbild, um javanischen Mädchen Bildung zu bieten. d

[a] Hier spielen die Autoren auf den Vertrag von Pangkor aus dem Jahr 1874 an, der die Larut-Kriege beendete. Diese Reihe von Konflikten wurden seit 1861, angefacht durch lokale Eliten und chinesische Geheimorganisationen, ausgetragen. Rajah Abdullah, auch bekannt als Sultan Abdullah Muhammand Shah II ibni Almarhum Sultan Ja’afar Safiuddin Mu‘adzam Shah Waliullah, sicherte sich durch die Unterzeichnung des Vertrages zwar den Thron, ließ sich von den Briten aber empfindlich in seinen Rechten in der Regierungsführung beschneiden, indem er sich u.a. verpflichtete, einen britischen Residenten in politischen Entscheidungen zu konsultieren; die Übersetzerin.

[b] Bei dem Padri-Krieg oder den Padri-Kriegen, die zwischen 1803 und 1837 in Westsumatra geführt wurden, handelt es sich um einen Konflikt zwischen den muslimischen Klerikern Padri , die die Scharia in der Minangkabau-Region durchsetzen wollten und den Adat , der lokalen Herrscherelite. Der Begriff adat bezeichnet das indigene Gewohnheitsrecht; die Übersetzerin.

[c] Im Original pockets of resistance ; die Übersetzerin.

[d] Diese Schulen werden auch als Kartini-Schulen bezeichnet. Bekannt wurde Kartine u.a. durch Briefe, die sie an europäische Freunde schickte, in denen sie die gesellschaftliche Situation in Java und ihre Gefühle. Einige davon wurden im Jahr 1911 auf Niederländisch in einem Buch mit dem Titel Door Duisternis tot Licht (von der Finsternis ins Licht) veröffentlicht, die malaiische Veröffentlichung aus dem Jahr 1922 ( Habis gelap terbitlah terang ) fand hingegen eine deutlich stärkere Verbreitung. Heute gilt Kartina auf Java als Nationalheldin und ihrer wird jedes Jahr am 21. April, ihrem Geburtstag, gedacht; die Übersetzerin.

Übersetzung:

Zitierempfehlung: