Quelle

Bibliographische Daten

Nanke, Czesław: Od pierwszego rozbioru Polski i wybuchu rewolucji francuskiej do czasów najnowszych. Historja nowo zytna, Bd. 2. Lemberg: Książnica-Atlas, 2. Aufl., 1926, 178.

Panslawismus - Der erste Slawenkongress


[S. 178]

107. Panslawismus. – Der erste Slawenkongress. Schon in der ersten Etappe der Revolution wurde klar, dass selbst die vollen konstitutionellen Freiheiten keinen ausreichenden Schutz der schwächeren Nationen vor der Übermacht der kulturell gefestigten und gut organisierten Großmächte boten. In einer solch ungünstigen Lage befanden sich die slawischen Völker in Österreich, die einzeln nicht stark genug waren, um sich gegenüber den Deutschen oder den Ungarn behaupten zu können. Daraus entwickelte sich das Bedürfnis einer Übereinkunft aller Slawen, mit dem Ziel, eine gemeinsame Bewegung zu gründen, um den Nationalgedanken in die Tat umzusetzen. Diese Idee, bezeichnet als Panslawismus, gedieh am stärksten bei den Tschechen. Tschechische Wissenschaftler, die die slawischen Sprachen untersuchten (Pawl Šafařik: Slawische Altertümer) , gelangten als erste zu folgendem Ergebnis: Sollten alle Slawen, die eine zahlenmäßig bedeutende Macht darstellten und darüber hinaus über angeborene Begabungen verfügten, sich zu einem Verbund oder einer Körperschaft zusammenschließen, dann bildeten sie die größte Macht in Europa. So hätten sie sich nicht nur erfolgreich dem Druck der Deutschen (die von den Tschechen aufgrund der Beziehungen in ihrem Staat als Hauptgegner des Slawentums betrachtet wurden) widersetzen, sondern auch auf der ganzen Welt eine dominierende Stellung einnehmen können. In dem angestrebten slawischen Verband wiesen sie sich selbstverständlich die Führungsposition zu und bezeichneten sich selbst als die am meisten kultivierte Nation unter den Slawen.

Der Panslawismus war keine ganz neue Idee. Vor allem in Russland prophezeiten Schriftsteller den nahen Untergang der verdorbenen westlichen Kultur und verschrieben sich dem Schutz der unter österreichischer und türkischer Gefangenschaft leidenden slawischen „Brüder“, während sie ihnen die mögliche Rettung durch die Befreierin Russland aufzeigten. Dieser Gedanke, der den politischen Eroberungsplänen Russlands entgegenkam, war teilweise auch in Polen zu finden. Staszic, ein früherer Feind Russlands, kam am Ende seines Lebens (in seinen „Gedanken über das politische Gleichgewicht in Europa“, 1815) zu dem Ergebnis, dass „die Verbindung der Slawen innerhalb des Russischen Kaiserreichs einen Zusammenschluss der Nationen in Europa hervorbringen, darin Kriege beseitigen und diesem Weltteil einen dauerhaften Frieden geben wird“. Die Polen hätten daraus den unmittelbaren Vorteil gezogen, vor den Teutonen (den Deutschen) geschützt zu sein […].

[S. 179]

So kam es am 31. Mai mit Zustimmung des Kaisers zum all-slawischen Kongress in Prag. Der Kaiser beabsichtigte, die den Ungarn gemachten Zugeständnisse zurück zu nehmen und erklärte sich bereit, hingegen die Kroaten zu unterstützen. Neben den österreichischen Slawen nahmen am Kongress auch die polnischen Repräsentanten aus Posen teil (…) Gleich zu Beginn der Beratungen kamen die Unterschiede zwischen den Meinungen der Repräsentanten der verschiedenen slawischen Völker zum Vorschein. Die Tschechen bestanden auf der Beibehaltung Österreichs unter der Vorraussetzung, es in einen Föderalstaat umzuwandeln („Würde Österreich nicht seit langem existieren, hätte es für das Wohl Europas und der Menschheit erschaffen werden müssen“) , und erklärten sich bereit, eine Verständigung mit dem absolutistischen Russland zu suchen. Einen ähnlichen Standpunkt nahmen auch die Kroaten ein. Hingegen endeten die Wünsche der Polen, die eine Wiederherstellung ihres gesamten Staates anstrebten, nicht an den österreichischen Grenzen. Bevor ihr Ziel nicht erreicht war, konnte keine Rede von einer Zusammenarbeit mit Russland sein.

Nach vielen Reibungen wurde schließlich ein Manifest an alle europäischen Völker verabschiedet, in dem zu einem Kongress aller Nationen aufgerufen wurde, mit dem Ziel, internationale Streitigkeiten zu regeln (dieser Gedanke wurde nach dem 1. Weltkrieg im Völkerbund realisiert). Zudem wurden in dem Dokument die Teilungen Polens missbilligt. [S. 180] Eine eigenständige Petition an den Kaiser enthielt darüber hinaus die Bitte um Autonomie für die Tschechen, Slowaken und Südslawen.

Die Arbeit des Kongresses wurde jäh unterbrochen. Am 11. Juni verlangten die studentischen Organisationen von dem Befehlshaber einer militärischen Einheit, Fürst Windischgrätz, die Ausgabe von Waffen „für die Verteidigung der konstitutionellen Freiheit“ . Als dieser ablehnte, kam es zu Straßenkämpfen, die die Bombardierung des „goldenen“ Prags nach sich zogen. Nach der Stadtübergabe wurde dort eine militärische Regierung eingerichtet. Der Kongress wurde aufgelöst.

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