Bibliographische Daten

Le Quintrec, Guillaume; Geiss, Peter: Europa und die Welt seit 1945, Histoire/Geschichte. Deutsch-französisches Geschichtsbuch Gymnasiale Oberstufe. Stuttgart; Paris: Nathan, 2006, 165.

Nationale Identität und Europäische Identität von Grindel, Susanne (2018)

Das Diagramm ist im Kapitel „Der Europäische Einigungsprozess seit 1989“ enthalten. Eine am oberen Kapitelrand durchlaufende Zeitleiste unterteilt den Einigungsprozess in die Zeitabschnitte 1989-1992, 1992-1995, 1995-2004 und 2004- ... Das Diagramm findet sich an herausgehobener Stelle des vierten Unterkapitels mit der Überschrift „Europäische Identität heute“. Diese Überschrift wird ergänzt durch die Leitfrage: „Wie kann ein europäisches Zugehörigkeitsgefühl entstehen?“ Das Diagramm ist Teil der Bild- und Textmaterialien, die den Autorentext des Schulbuchs begleiten. Mit dem erläuternden Untertitel „Nationale Identität und europäische Identität“ versehen, illustriert es die Aussagen des Autorentextes. Im Diskussionsteil wird die Quelle durch eine konkrete Frage eingebunden, die die Schüler zu eigenständiger Reflexion und gemeinsamer Diskussion anregen soll. Darüber hinaus bietet das Diagramm die Möglichkeit, im Unterricht Fragen zur Interpretation von Grafiken und Umfrageergebnissen zu thematisieren. Die inhaltliche und graphische Einbindung der Quelle, sowie ihre auf den ersten Blick ins Auge fallende Platzierung auf der rechten oberen Seite weisen ihr eine herausgehobene Bedeutung zu.

Die in dem Diagramm dargestellten Umfrageergebnisse unterstreichen die Aussagen des Autorentextes, wonach das Zugehörigkeitsgefühl zu Europa, wenn auch nicht gleichmäßig, so doch im übergreifenden Trend, steigt. Auffallend ist die synonyme Verwendung von europäischem Zugehörigkeitsgefühl und europäischer Identität. Die Autoren führen dabei europäische Werte, Symbole und Alltagsrealitäten als Belege an. Bei aller positiven Darstellung des Einigungsprozesses behandeln die Schulbuchautoren das Thema Identität jedoch keineswegs unkritisch oder rein affirmativ. So gehen sie auf die Kernfrage nach dem Selbstverständnis Europas ebenso ein wie auf die Tatsache, dass sich Identitäten nicht einfach verordnen lassen und sich historisch bedeutsame Referenzsysteme wie nationale Bindungen nicht ohne weiteres ignorieren lassen. Kritik an der gegenwärtigen Verfassung der Europäischen Union nehmen die Autoren unter dem Stichwort „Demokratiedefizit“ auf, die gleichwohl unter der Überschrift „Europa der Bürger“ konstruktiv gewendet wird.

Literaturverzeichnis

  • Bach, Maurizio, Die Europäisierung nationaler Gesellschaften, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Sonderheft 40 (2000).
  • Bluche, Lorraine (Hg.), Die Europäer – ein Konstrukt. Wissensbestände, Diskurse, Praktiken, Göttingen 2009.
  • Checkel, Jeffrey T.; Katzenstein, Peter J. (Hg.), European identity, Cambridge 2009.
  • Citrin, Jack; Sites, John, More than Nationals. How identity choice matters in the New Europe, in: Herrmann, Richard; Risse, Thomas u. a. (Hg.), Transnational identities. Becoming European in the EU, Lanham u.a. 2004, S. 161-185.
  • Fligstein, Neil, Euroclash. The EU, European identity and the future of Europe, Oxford 2008.
  • Geyr, Maja v., Die europäische Dimension in Lehrplänen der deutschen Bundesländer: vergleichende Studie im Auftrag der europäischen Kommission – Vertretung in Deutschland, Berlin 2007.
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  • Schmale, Wolfgang, Geschichte und Zukunft der europäischen Identität, Stuttgart 2008.
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