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Bibliographic data

Batey, George Eno: Effective modern history for colleges. NAB Ventures, 3rd ed. [3. Aufl.], 2012 [2008], 25, 30-32, 39, 40.

"Deutsche imperiale Herrschaft in Kamerun"


[S. 25]

TEIL 2

DEUTSCHE IMPERIALE HERRSCHAFT IN KAMERUN

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Kamerun wurde im Juli 1884 zu einem deutschen Protektorat. Nach der Berliner Westafrika-Konferenz von 1884-85 sicherten sich die Deutschen die diplomatische Übertragung des Küstenstreifens vom Rio del Rey bis nach Campo von den Briten und den Franzosen. Die Deutschen wandten friedliche und Zwangsmethoden an, um vom Küstenstreifen aus ins Innere zu expandieren. Die indigene Bevölkerung reagierte mittels Wiederstand und Zusammenarbeit auf die deutsche imperiale Herrschaft. 1906 war die deutsche Herrschaft gefestigt. Die verschiedenen deutschen Gouverneure unterstützten politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in dem Gebiet bis ins Jahr 1916, als die Deutschen durch die alliierten Mächte besiegt und aus Kamerun vertrieben wurden.

[…]

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2.8 Errungenschaften der deutschen Entdecker

  • Sie entdeckten Handelsrouten und halfen dabei zu vermeiden, dass der Handel von den Briten und Franzosen abgelenkt wurde.
  • Sie entdeckten neue Handelsgebiete , besonders im Inneren.
  • Sie entdeckten fruchtbaren Boden für die Plantagenwirtschaft.
  • Sie entdeckten Gebiete, die reich an Rohmaterialien waren , wie Elfenbein, Palmöl und Getreide.
  • Sie halfen in der Verpflichtung von Arbeitern und Trägern für die deutschen Pflanzer und Händler.
  • Sie stellten nützliche Informationen zur Verfügung, die die koloniale Administration erleichterten und die Unterdrückung von anti-deutschen Revolten.
  • Sie stellten gute Informationen zur Verfügung , die Deutschen dabei halfen, das Gebiet zu kartieren .

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  • Sie stellten nützliche Informationen zur Verfügung, die die Steuereinziehung in dem Gebiet erleichterten .
  • Sie stellten nützliche Informationen zur Verfügung, die die Entwicklung des Transportwesens durch deutsche Ingenieure erleichterten , die Straßen, Bahnstrecken, Brücken, Telefonverbindungen usw. konstruierten.
  • Sie stellten nützliche Informationen über die Siedlungen der verschiedenen ethnischen Gruppen und die Schaffung eines modernen kamerunischen Staates zur Verfügung.

2.9 Eine Zusammenfassung der indigenen Reaktion auf die deutsche Kolonialherrschaft 1885-1916

Die Reaktion war negativ (Widerstand) und Positiv (Zusammenarbeit).

Negative Reaktion – Widerstand

  • Anti-deutsche Demonstrationen wurden in einigen Orten wie Douala, Fontem usw. veranstaltet.
  • a Abgelehnt, die deutsche Herrschaft zu akzeptieren, wie die Nso. b
  • Gewalt gegen die Deutschen, wie das Töten eines deutschen Militäroffiziers, Gravenreuth, durch die Bakwiri. c
  • Die Ablehnung, Zwangsarbeit zu verrichten, wie durch einige Duala, d die über das Meer entkamen und Fischer wurden.
  • Geheime Mobilisierung bis hin zu einer anti-deutschen nationalen Widerstandsbewegung, organisiert durch Rudolf Manga Bell und Martin Paul Samba. e
  • Verhandlungen um Hilfe aus dem Ausland gegen die Deutschen, z.B. kontaktierte Rudolf Manga Bell die Briten, während Martin Paul Samba die Franzosen kontaktierte, um Waffen zu bekommen.
  • Petitionen an die deutsche Regierung und das Parlament, z.B. durch die Duala gegen die Enteignung ihres Landes. f
  • Einige legten ihre Arbeit in den Plantagen nieder und flohen an abgelegene Orte, wie die Bakwiri in die Bergregionen, die Duala in die Wouri Bucht, die Ejagham g nach Nigeria.
  • Einige flohen in benachbarte Kolonien, z.B. die Bulu h nach Spanisch-Guinea und Gabun.

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  • i Kämpften Kriege mit den Deutschen wie die Bakwiri, Nso, Bangwa usw.

Positive Reaktion – Zusammenarbeit

  • Einige ethnischen Gruppen kollaborierten, wie König Njoya von Bamum, j Fon Galega I. von Bali, k Karl Atangana von Ewondo. l
  • m Unterzeichneten Freundschaftspakte mit den Deutschen, wie der Blutpakt zwischen Zintgraff und Fon Galega I. von Bali im August 1891 n
  • Unterstützten die Deutschen mit Kämpfern, um anti-deutsche rebellische Stämme zu verdrängen, z.B. Bamum o halfen ihnen gegen die Nso.
  • Verpflichteten Arbeiter für die deutschen Plantagen, z.B. war Fon Galega I. von Bali ein Hauptlieferant von Arbeitern für die deutschen Plantagen, besonders an der Westküste.
  • Verpflichteten Träger für den Transport von deutschen Gütern, z.B. Fon Galega I. von Bali.
  • Assistierten den Deutschen als Steuereinzieher, z.B. Bali, Bamum usw.
  • Halfen den Deutschen mit nützlichen Informationen, um ins Inland vorzudringen, z.B. Karl Atangana half den Deutschen in den Norden zu gelangen, Fon Galega I. half den Deutschen, ins westliche Grasland vorzudringen.
  • Dienten den Deutschen als Berater in afrikanischen Angelegenheiten, z.B. König Njoya von Bamum.
  • Verrieten die Pläne der Rebellion gegen die Deutschen, z.B. König Njoya verriet Rudolf Manga Bell, der dafür kämpfte, eine anti-deutsche Unabhängigkeitsbewegung zu bilden. Er erklärte, dass die Deutschen seine Herren seien.
  • Förderten die deutsche Kultur und gingen nach Deutschen, um sich weiterzubilden, wie Martin Paul Samba, Alfred Bell, Rudolf Bell, Mpondo Akwa.

[…]

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2.11 Gründe, warum der indigene Widerstand versagte

  • Die Deutschen bekämpften die Indigenen mit professionellen Soldaten , die besser in der modernen Kriegsführung geschult waren als die Indigenen, deren Kämpfer Bauern waren.
  • Die Deutschen hatten Reservesoldaten zur Verstärkung, im Gegensatz zu den Indigenen, denen Kämpfer fehlten.
  • Die Deutschen bekämpften die Indigenen mit modernen und überlegenen Waffen im Gegensatz zu den Indigenen, die mit dänischen Gewehren, p Aberglaube, Steinen usw. kämpften.
  • Die Deutschen hatten Waffenvorräte und das Recht, Waffen zur Verstärkung zu importieren, im Gegensatz zu den Indigenen.
  • Die Indigenen lebten in kleinen verstreuten Dörfern und es war für die Deutschen leichter, ein Dorf nach dem anderen zu besiegen.
  • Die weiße [Haut-]Farbe der Deutschen verängstigte die Indigenen psychologisch und schwächte ihre Kampfmoral.
  • Einige Stämme arbeiteten mit den Deutschen zusammen , wie die Bali gegen die Mankon q und Bafut, r die Bamum gegen die Nso.
  • Das geringe Maß an Nationalismus der Indigenen verhinderte die Einheit gegen die Deutschen.
  • Das Fehlen einer nationalen Widerstandsfront gegen die Deutschen erleichterte es den Deutschen, sie zu bezwingen.
  • Das Fehlen der externen europäischen Unterstützung für die Indigenen gegen die Deutschen, als Resultat der Brüssel-Akte von 1890, die Europäern Bündnisse mit afrikanischen Staaten verbot, benachteiligte die Indigenen darin, Deutsche zu gewinnen.
  • Die Armut der Indigenen erschwerte es ihnen lange Kriege gegen die

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Deutschen zu führen.

  • Die meisten der indigenen Kämpfer waren Bauern , so konnten sie ihre Farmen nicht für lange Zeit verlassen.

[…]

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ZUSAMMENARBEIT MIT DEN DEUTSCHEN

Einige Stämme in Kamerun arbeiteten mit den Deutschen zusammen, wie die Bali, s (Fon Galega I.) die Ewondo t (Charles Atangana) die Bamum (König Njoya).

2.21 Gründe für die Zusammenarbeit

  • Sie hatten Angst vor den deutschen Truppen , die gut ausgebildet und mit modernen Waffen ausgestattet waren, die ernstzunehmende Zerstörung von Menschen und Gegenständen verursachen konnten.

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  • Einige arbeiteten mit ihnen zusammen, weil sie die Deutschen als überlegene menschliche Wesen
  • Einige brauchten deutsche Hilfe , um befreit zu werden. Die kleinen und schwachen Staaten im zentralen Grasland, wie die Nkambe und Ndu, wollten, dass die Deutschen sie von der Fulbe-Herrschaft befreiten. u
  • Einige brauchten deutsche Unterstützung, um vergangene Erniedrigungen zu rächen . Die Bamum brauchten die Deutschen, um ihnen zu helfen, die Niederlage, die sich von den Nso erlitten hatten, zu rächen.
  • Andere, wie die Bali, brauchten deutschen Schutz vor ihren Feinden , wie die Mankon und Bafut.
  • Die Zusammenarbeit wurde von dem Bedürfnis geleitet, die Deutschen zu nutzen, um in der Region den Einfluss und die Vorherrschaft auszuweiten . Die Bali brauchten die Deutschen, um ihre Hegemonie im westlichen Grasland zu etablieren.
  • Einige Stämme kollaborierten, weil sie direkten Kontakt mit deutschen Händlern wollten und um günstiger zu kaufen und die Ausbeutung durch Mittelsmänner zu vermeiden, die teuer waren.
  • Das Bedürfnis nach mehr deutschen Geschenken beeinflusste die Bamun, Ewondo und Bali usw. zur Zusammenarbeit.
  • Sie wollten der harschen deutschen Herrschaft entkommen , indem sie den Deutschen schmeichelten.
  • Einige kollaborierten als deutsche Träger und Arbeiter, um den Deutschen zu schmeicheln und schlechte Behandlung zu vermeiden und Brutalität, besonders öffentliches Auspeitschen.
  • Sie wollten den Deutschen schmeicheln und deutsche Investitionen wie Schulen, Gesundheitszentren usw. anziehen.

2.22 Ergebnisse der Zusammenarbeit

  • sie wurden von ernsthaft harter Arbeit ausgenommen . Sie halfen den Deutschen, Arbeiter zu rekrutieren, z.B. die Bali halfen bei der Rekrutierung von Arbeitern im westlichen Grasland.
  • Sie wurden von ernsthaften Steuern ausgenommen und dienten den Deutschen als Steuereinzieher, wie die Bamum, Bali, Ewondo v
  • Sie genossen deutschen Schutz gegen ihre Nachbarn wie die Bali gegen die

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Mankon und Bafut.

  • Die Deutschen halfen ihnen, ihren Einfluss auszuweiten und die Autorität ihrer Anführer, wie Fon Galega I. von Bali, der zum obersten Herrscher des westlichen Gradlandes gemacht wurde.
  • Sie erleichterte die deutsche Expansion ins Inland , da den Deutschen mit Kämpfern, Spionen, Arbeitern und Informationen geholfen wurde.
  • Sie führte zur Förderung des deutschen Handels mit dem Inland.

[a] Fehler aus dem Original übernommen; die Redaktion.

[b] Die Nso stammen aus dem Grasland von Bamenda im Nordwesten Kameruns; die Übersetzerin.

[c] Die Bakwiri oder Kpe (auf Englisch Bakweri oder Kwe) sind eine Ethnie aus dem Südwesten Kameruns; die Übersetzerin.

[d] Die Duala sind eine der zahlenmäßig größten Ethnien Kameruns; die Übersetzerin.

[e] König Rudolf Manga Bell gehört heute zu den Nationalhelden. Er mobilisierte die indigene Führungselite zu einem bis zuletzt friedlichen Widerstand gegen die Umsiedlung von Duala, die am Kamerunfluss ansässig waren, zugunsten des Baus deutscher Fabriken. Er wurde wegen Hochverrates zum Tode verurteilt und 1914 erhängt. Martin Paul Samba, geboren unter dem Namen Mebenga m’Ebono, kooperierte zunächst mit deutschen Kolonisatoren und wurde sogar nach Deutschland geschickt, um dort eine Militärausbildung zu absolvieren. Nachdem er einige Zeit im deutschen Militär in Kamerun gedient hatte, wandte er sich jedoch aufgrund der schlechten Behandlung, die er durch seine Vorgesetzten erfuhr, von diesem ab. Er wurde bei dem Versuch ertappt, von den Briten Waffen für einen Widerstand zu bekommen, geleitet von der Motivation, gegen die schlechte Behandlung der Bulu durch die Deutschen vorzugehen. Auch er wurde im Jahr 1914 hingerichtet; die Übersetzerin.

[f] Auf S. 36 geht Batey auf den Widerstand der Douala 1902-1914 ein. Die Hauptgründe seien eine sehr hohe Besteuerung, die Enteignung von Land sowie die schlechte Behandlung der Douala durch die Deutschen gewesen. Nachdem die Petitionen erfolglos blieben, schlossen sich Rudolf Manga Bell und Martin Paul Samba zeitweilig mit anderen kamerunischen Herrschern zusammen. König Njoya, der in einem späteren Abschnitt erwähnt wird, tat sich in der Angelegenheit als Verräter hervor. Die Beziehungen zwischen den Deutschen und den Douala waren sehr angespannt, sodass die Douala im Jahr 1914 bereitwillig die alliierten Mächte gegen die Deutschen unterstützten; die Übersetzerin.

[g] Die Ejagham, auch Ekoi, sind eine Ethnie, deren kamerunischer Teil aus einer Region nahe der Grenze zu Nigeria stammt; die Übersetzerin.

[h] Die Bulu sind eine Ethnie aus dem zentralen und südlichen Kamerun; die Übersetzerin.

[i] Fehler aus dem Original übernommen; die Redaktion.

[j] König Njoya, im Deutschen auch bekannt als Njoya der Große, regierte von 1883 bis 1931. Während der deutschen Kolonialzeit stellte er das Königreich Bamun freiwillig unter den Schutz der deutschen Kolonialmacht. Im Jahr 1897 konvertierten er und sein Hof zum Islam und er trug fortan auch den Titel des Sultans; die Übersetzerin.

[k] Fon ist ein Titel für Herrscher, ähnlich wie König. Die Bali sind eine Ethnie aus dem Nordwesten von Kamerun; die Übersetzerin.

[l] Karl Atangana, mit vollem Namen Karl Friedrich Otto Atangana Ntchama war der Sohn des Ewondo-Headman Essomba. Er wurde in der Pallottiner-Mission in Kribi erzogen, trat 1900 in den Dienst der deutschen Kolonialverwaltung und arbeitete u.a. als Dolmetscher und Vorsitzender des „Eingeborenengerichts“. In den Jahren 1912 und 1913 war er als Sprachassistent am Kolonialinstitut in Hamburg beschäftigt und wurde nach seiner Rückkehr von der Kolonialverwaltung zum „Oberhäuptling der Jaunde (Ewondo) und Bane“ ernannt; die Übersetzerin.

[m] In der folgenden Aufzählung wird auch im Original kein Subjekt genannt; die Übersetzerin.

[n] Zeichenfehler aus dem Original übernommen; die Redaktion.

[o] Die Bamum oder Bamun sind eine Ethnie, die überwiegend im Königreich Bamum im westlichen Zentralkamerun lebt; die Übersetzerin.

[p] Dabei handelt es sich um Steinschlossmusketen mit einem langen Lauf, die vor dem 19. Jahrhundert von dänischen Händlern in Westafrika importiert wurden; die Übersetzerin.

[q] Die Mankon bevölkern einen großen Teil von Bamenda, im Nordwesten Kameruns; die Übersetzerin.

[r] Das Königreich Bafut liegt nördlich von Bamenda; die Übersetzerin.

[s] Zeichenfehler aus dem Original übernommen; die Redaktion.

[t] Die Ewondo, auch Jaunde sind eine Ethnie aus dem Süden von Kamerun; die Übersetzerin.

[u] Die Fulbe sind ein ursprünglich nomadisches Volk aus Westafrika. Ein Teil der sesshaft gewordenen Fulbe konvertierte zum Islam und errichtete im Zuge eines Dschihads im 18. Jahrhundert mehrere Reiche. Bis ins 19. Jahrhundert war die meisten Fulbe Muslime und das Kalifat Sokoto wurde im heutigen Niger gegründet. Von dort aus eroberten „heilige Krieger“ weitere Gebiete; die Übersetzerin.

[v] Zeichenfehler aus dem Original übernommen; die Redaktion.

Translation:

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