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Bibliographic data

Azevedo, Aroldo de: Geografia do Brasil. São Paulo: Companhia Editora Nacional, 5th rev. and updated ed.; 1st ed. 1969 [5. überarb. u. aktual. Aufl.; 1. Aufl. 1969], 1972, 16–18.

"Schnittstelle globaler Verkehrswege"


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Folglich müssen wir uns ohne lächerlichen Optimismus oder Pessimismus, die zu nichts gut sind, dieser ersten von der brasilianischen Geographie gelehrten Tatsache stellen: Wir verfügen über einen echten „Kontinent“ und müssen ihn zu nutzen wissen.

Schnittstelle weltweiter Verkehrswege

Aufgrund seiner geographischen Lage lebte Brasilien bis vor etwa 50 Jahren mehr oder weniger am Rand der großen, um den Nordatlantik konzentrierten Zivilisationszentren. Unter dem politisch-militärischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkt erschien die Erde

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in zwei Teile aufgeteilt: einerseits Europa und die Vereinigten Staaten, in einer Position unbestreitbarer Vormachtstellung; andererseits, unverkennbar zweitrangig, der Rest der Welt, unser Land eingeschlossen.

Da sie von diesen Zentren durch die Wasser des Ozeans (den nur Schiffe mit großem Tiefgang auf monotonen Reisen überwinden konnten, die zwei oder mehr Wochen dauerten) getrennt waren und keinen der Reichtümer nutzten, auf denen die moderne Wirtschaft basiert, konnte es gar nicht anders kommen.

Jedoch ist die heutige Situation ganz anders.

Zum einen bewirkte der Beginn der Ära der Luftfahrt eine tiefgreifende Veränderung in den Beziehungen zwischen den Völkern, und es dauerte nicht lange, dass ihre Auswirkungen bis zu uns gelangten. Derzeit kann uns ein Flugzeug in ungefähr 10 Stunden Flug auf den Boden Europas oder der Vereinigten Staaten bringen. Der Zweite Weltkrieg (1939-45), mehr noch als der vorherige (1914-18), zeigte, dass wir es schwerlich schaffen würden, uns von den Ereignissen fernzuhalten, die sich in diesen Teilen der nördlichen Halbkugel abspielten.

Zum anderen brachten der wachsende Abbau unserer Bodenschätze (unter anderem Erdöl, Mangan und Eisen), der schnell voranschreitenden Prozess der Industrialisierung , die Diversifizierung der Land- und Viehwirtschaft und, damit einhergehend, das Bevölkerungswachstum Brasilien in eine hervorgehobene Position in der sogenannten Dritten Welt.

Solche Umstände wurden begünstigt durch die außergewöhnliche geographische Situation unseres Landes, das sich in hervorgehobener Position in Bezug auf den gesamten atlantischen Ozeans befindet, welcher heute in einen großen „See“ von essentieller Bedeutung für die weltweiten Beziehungen, im Krieg wie im Frieden, verwandelt ist.

Brasilien ist ein genuin atlantisches Land , sowohl hinsichtlich seiner physischen Gegebenheiten als auch unter dem menschlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkt, denn es bietet den Wassern dieses Ozeans eine Küstenlänge von circa 6.000 km, so wie ein breites „zur Außenwelt weit geöffnetes Fenster“ – in den Worten von DELGADO DE CARVALHO. Daher wird es nicht umhin können, weiterhin eine bedeutende Rolle in den Geschicken dieses Teils der Erde zu spielen.

Zudem hat sich unsere Souveränität seit 1971 auf bis zu 200 Meilen der Küste ausgeweitet – das sogenannte Küstenmeer oder ozeanische Hoheitsgebiet , ein Streifen von 370 km Breite. a

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[Karte Brasiliens mit Zeitzonen, äußersten Grenzpunkten und Hoheitsgewässern des Landes]

Abb. 1 – Zeitzonen, offizielle Uhrzeit, äußerste Grenzpunkte und Küstenmeer

Außerdem: Sobald die Luftfahrt dazu im Stande sein wird, die Eiswüsten b der Antarktis zu überfliegen (nach dem Beispiel dessen, was schon hinsichtlich der arktischen Regionen geschieht), wird es c sich in einen Schlüsselpunkt der Luftfahrtrouten, die zur Verbindung der Vereinigten Staaten und Europas mit dem maritimen Südostasien d und Australien bestimmt sind, verwandeln.

Diese durch die geographische Lage ermöglichten Vorteile bekräftigend, gilt es die Stabilität unserer Grenzen hervorzuheben, im Gegensatz dazu, was mit unzähligen anderen Ländern geschieht, zu denen beispielsweise Großbritannien und Australien, Italien und Kanada zählen. Unsere Grenzen zu Land kommen in ihrer Ausdehnung denen zu Wasser gleich, was es erlaubt, Brasilien eine herausragende Rolle auch als Kontinentalmacht vorauszusagen.

Aus all diesen Gründen scheint es uns nicht utopisch zu behaupten, dass Brasilien eine der Großmächte des 21. Jahrhunderts sein wird.

[a] Im März 1970 erließ die brasilianische Regierung ein Gesetz, welches die Ausweitung der brasilianischen Hoheitsgewässer auf 200 Meilen zum Gegenstand hatte. Vgl. Lemos Campos Carvalho, Gustavo de: O mar territorial brasileiro de 200 milhas. Estratégia e soberania. 1970-1982, in: Revista Brasileira de Política Internacional 42/1 (1999), http://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0034-73291999000100005 (20.07.2016); die ÜbersetzerInnen.

[b] Wörtlich: die eisigen Einsamkeiten ; die ÜbersetzerInnen.

[c] Gemeint ist Brasilien; die ÜbersetzerInnen.

[d] Der portugiesische Begriff insulíndia bezeichnet Inselsüdostasien, eine Reihe von Inselstaaten zwischen dem Indischen Ozean und dem Pazifik, auch maritimes Südostasien oder Malaiischer Archipel genannt. Dazu gehören unter anderem die Philippinen, Indonesien und Singapur. Vgl. Wikipedia, https://pt.wikipedia.org/w/index.php?title=Arquip%C3%A9lago_Malaio&oldid=35436539 (20.07.2016); die ÜbersetzerInnen.

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