WorldViews

Mit WorldViews bietet das Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung (GEI) eine multilinguale Online-Edition digitalisierter Schulbuchauszüge zu Themen von interregionaler, transnationaler und globaler Relevanz für Forschung und Lehre an.

Die Auswahl der Schulbuchdarstellungen ist von Themenkomplexen mit globalhistorischer Bedeutung wie beispielsweise Krieg, Kolonisierung oder Religion geleitet und orientiert sich am Mittelfristigen Forschungsprogramm des Instituts. 

Da die Schulbuchauszüge aus unterschiedlichen, über den gesamten Globus verteilten Ländern kommen und zu sehr verschiedenen Zeiten verfasst wurden, eignen sie sich in besonderer Weise dazu, Multiperspektivität zu untersuchen. Das in die Edition eingespeiste Material ermöglicht es zum Beispiel, nationale Selbst‐ und Fremdbilder zu erfassen, zu historisieren und Verknüpfungen zu erschließen. Anhand der Schulbuchauszüge in WorldViews kann gezeigt werden, dass Regions- und Raumzuschreibungen historisch fluide sind, dass bestehende Wissensbestände und Sinnbezüge weltweit divergieren und sich im Laufe der Zeit verändern. Damit schließt WorldViews an neuere transnational und global ausgerichtete Forschungen über die gesellschaftliche Produktion, Ordnung und Zirkulation von Wissen an: Die Edition untersucht Übersetzbarkeit, Verflechtung und Medialität von Wissen in historischen Prozessen.

Im Sinne von Effizienz und Nachhaltigkeit werden in WorldViews Forschungs‐, Infrastruktur‐ und Transferleistungen eng aufeinander bezogen. Informations- und KulturwissenschaftlerInnen haben gemeinsam ein interoperables Format entwickelt, das es erlaubt, Ergebnisse vergangener und laufender Projekte (wie EurViews oder GEI-Digital) zu integrieren. Perspektivisch können über WorldViews aber auch Schulbuchauszüge aus künftigen (kooperativen) Forschungsprojekten des GEI über Sonderkollektionen aufgenommen werden.

Die edierten Schulbuchausschnitte werden jeweils digitalisiert und als Volltext inklusive TEI-Auszeichnung ForscherInnen und BildungspraktikerInnen, letztlich aber auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Sie werden zur Überwindung von Sprachbarrieren nach Möglichkeit sowohl ins Deutsche als auch ins Englische übertragen, einander in ihren Sichten auf die Welt gegenübergestellt und wissenschaftlich kommentiert und kontextualisiert. Die Übersetzungen orientieren sich dabei in erster Linie an der Ausgangssprache und werden durch ÜbersetzerInnen und EditorInnen ggf. über Fußnoten kommentiert, um auf sprachliche Eigenheiten aufmerksam zu machen.

WorldViews bietet eine Abfragemöglichkeit seiner Daten in den Formaten DC (Dublin Core), TEI (Text Encoding Initiative) und CMDI (Component MetaData Infrastructure). Die Http-Schnittstelle ist zu erreichen über http://worldviews.gei.de/oai.

WorldViews versteht sich als kollaboratives und längerfristig angelegtes Projekt, das fortlaufend weiterentwickelt wird. Als Projekt im Bereich der Digital Humanities ist WorldViews konzeptionell auch auf die Herausforderungen und Potenziale technologisch erweiterter Geistes‐ und Kulturwissenschaften ausgerichtet. So werden beispielsweise die Schulbuchquellen mit CMDI-Metadaten versehen und an CLARIN-D geliefert, wo diese zusammen mit weiteren linguistischen Ressourcen aus anderen Forschungsbereichen übergreifend durchsucht und potentiell mit von CLARIN-D angebotenen Digital Humanities-Tools weiterbearbeitet werden können. Insgesamt soll die Infrastruktur in größtmöglichem Umfang Standardkonformität, Normierung und Interoperabilität sicherstellen, ohne dabei inhaltliche Flexibilität und Anschlussfähigkeit zu gefährden.

Finanziert wurde WorldViews vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (2015-2017) sowie aus Mitteln des Georg-Eckert-Instituts.